Maibaumaufstellen

Der Maibaum hat im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Ausgestaltungen und immer wieder neue Deutungen erlebt.

 

Als sichtbares Rechtssymbol aus dem frühen Mittelalter war er Hinweis, dass nun die Vegetationszeit im Gange sei und das Wachstum auf Feldern und Wiesen nicht mehr gestört werden dürfe. Mit heutigen Worten könnte man den Maibaum zu dieser Zeit ein weithin sichtbares Verbotsschild nennen, das auch mit einer Strafandrohung verbunden war.

Gleichzeitig war er Bestandteil der seit dem Mittelalter beliebten Frühlings- und Maifeiern.

 

Der erste dokumentierte Maibaum wurde 1230 in Österreich errichtet, aus dem 16. Jahrhundert gibt es Belege für Reisigkränze und Girlanden als Schmuck des Maibaums. (Moser BJBVK 1962) Nach Aufhebung der Grundherrschaften, nach der Revolution von 1848 und schließlich mit der Abwanderung vom Lande, bekamen dörfliche Feste eine neue Bedeutung als Anlässe der Integration und Identifikation. Der Maibaum wurde in Bayern zu einem "Freiheitsbaum" der Bauern (Kriechbaum, Maibaumkraxler, 188ff, Wolf, Brauchbuch 2000, 180). Für Salzburg gibt es interessante Schilderungen der Burschenbräuche rund um den Maibaum über rund 150 Jahre.

 

Im 19. Jahrhundert machte das allgemeine Bedürfnis nach Naturmythen den Maibaum zum Fruchtbarkeitssymbol mit heidnischen Wurzeln, zur Lebensrute, zum Hexenbaum der Walburgisnacht, etc. (Mannhardt 1904/05, R. Beitl). Über Vereinsfeste vor und während der NS-Zeit kamen auch in Österreich Figuren und bunte Bemalungen auf den Maibaum. Die NS-Zeit vereinnahmte auch den Maibaum hakenkreuzgeschmückt für politische Kundgebungen. Damit war der Maibaum nach 1945 für viele Menschen ein Symbol politischen Ungeistes und in Linz etwa, wurde er erstmals 1976 wieder aufgestellt. (Wolf, Kühberger 2003)

 

Das Stehlen des Maibaums aus dem Wald sowie das Maibaumaufstellen ist mit vielen (regional oft unterschiedlichen) Bräuchen und Ritualen besetzt. Das Bewachen durch die Burschen des Ortes bzw. das Stehlen durch die Burschen der Nachbarorte ist mit ungeschriebenen regionalen Verhaltensrichtlinien geregelt. Sogar von der Gesetzgebung werden sie als ortsübliche Sitten einbezogen. Auch die Gestaltung des Baumes ist vielfältig. (ÖVA; Kapfhammer 1977) In Österreich wird er seiner Äste entledigt und in kunstvollen Spiralen mit dem Schepseisen entrindet, nur der Wipfel bleibt erhalten. Das Maibaumkraxeln um die Ehre wie um die oben hängenden Preise ist ein beliebter Sport und Wettkampf der Burschen. Der Tanz um den Maibaum ist besonders in den letzten Jahren wieder sehr beliebt und eine Gelegenheit wieder Dirndl und Lederhose auszuführen.

gekürzt nach einem Text von Ulla Kammerhofer-Aggermann auf

http://www.salzburgervolkskultur.at/termine/kalender-der-religionen-2012/

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