Perchtenbrauch

Perchtenbrauch im Land Salzburg

Im Glauben unserer Gebirgsbewohner lebt die alte Göttin Perchta, die Prächtige, Glänzende, als die Frau Percht heute noch immer fort. Sie erscheint jedes Jahr in der Zeit vom 21. Dezember (Thomasnacht) bis zum Dreikönigstag (Perchtennacht vom 5. zum 6 Jänner) die auch als Rauh- oder Rauchnächte bezeichnet werden.

Der Ursprung des Perchtenbrauches dürfte im germanischen Bereich zu suchen sein. Nach den Anschauungen unserer Vorfahren war Frau Perchta ein dämonisches Wesen, halb Gottheit, halb Mensch, das in zweifacher Gestalt erschien. Einmal sprach man von einer holden Lichtgestalt, die Menschen und Tiere segnend, durch das Land schreitet, dann wieder erkannte man in ihr einen hässlichen Dämon, der mit Verderben und Unglück über die Menschen hereinbrach und das Vieh erkranken ließ und die Ernte vernichtete.

Um den Unholden in den Rauhnächten wirksam entgegentreten zu können, hüllte man sich seit alters her in grauenvolle, furchterregende Masken; auf diese Weise glaubt man, sie vertreiben zu können.

In vorchristlicher Zeit spielte der Perchtenbrauch eine sehr große Rolle. Besonders die Zeit um die Wintersonnenwende war von einem ,,dämonenreichen Zauber‘ umgeben. Die bösen Gestalten der Dunkelheit sollten vertrieben und die guten und fruchtbringenden Geister des Frühlings erweckten. Der Tag muss über die Nacht siegen, um die Fruchtbarkeit ins Land zu bringen. Diese Auseinandersetzung spiegelt sich im Perchtenlauf: Die Schiachperchten symbolisieren das Böse und ein letztes Aufflackern der Finsternis, bevor im Perchtenzug die Schönperchten mit ihren prächtigen Tafeln den Frühling und die Fruchtbarkeit einleiten.

Dabei bilden vorchristlicher Naturglaube und christliches Glaubensgut den einen Bezugspunkt, den anderen das Leben selbst mit all seinen Vorkommnisses und schillernden Gestalten, die im Laufe der Generationen sich den Menschen ob ihrer "Andersartigkeit" – ob im positiven oder negativen Sinne – besonders eingeprägt hatten.

Das Perchtenbrauchtum im Land Salzburg hat sich ganz besonders im Pongau (Pongauer Perchtenläufe), Pinzgau (Tresterer und Rauriser Schnabelperchten) aber auch im Lungau (Perchtln gehen) oder Tennengau (Gollinger Perchtenspiel „Winter und Sommer“) erhalten.

Zu den Perchten zählen u.a. aber auch "Die Wilde Jagd vom Untersberg", die Glöckler, usw.

In den meisten Bereichen hat sich die Durchführung des Perchtenbrauches nur durch Männer erhalten. So werden auch die Frauenfiguren von Männern dargestellt.

Vom Landesverband "Salzburger Heimatvereine" wird im Perchtenbrauch besonders Wert gelegt auf die Einhaltung der Perchtenzeit (21. Dezember bis 6. Jänner) und einer klaren Trennung zwischen Krampus- und Perchtenbrauch.

Schiach- und Schönperchten gehören unweigerlich zusammen, da die Schiachperchten das Böse vertreiben und den Boden wieder erwecken, die Schönperchten wieder Licht, Sonne und Fruchtbarkeit in das Land bringen.

Zum Schluss ein Spruch von Kaspar und Bertl Fritzenwallner aus Altenmarkt:
Der Perchtenbrauch kann nur richtig ausgeübt werden, wenn man diesen

"Za da richtigen Zeit, mitn richtign Zoig am richtign Ort, mocht."

oder

"Der Perchtenbrauch is a Schmuckkastei
wer wos sechn wü, den los ma eini schaun,
mia loßn ins nix aussa nehma, mir mochn es Kastei wieda zua
wer no mehr wissen will muaß kemma, wonn die Perchtn wieda gengan."

Rede von U. Kammerhofer-Aggermann bei der Eröffnung des Perchtenheimes der "Gasteiner Perchten" am 26.4.2012 kann man hier nachgelesen.

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