Christbaum
Kein anderes „Requisit“ zur Weihnachtszeit erscheint uns so unerlässlich wie der lichter geschmückte Tannenbaum. Wohl hat es schon immer den Brauch gegeben, zur Feier der Jahreswende die Häuser mit grünen Zweigen zu schmücken, aber Weihnachtsbäume waren das nicht. Als geschenktragende Schüttelbäumchen erscheinen sie erstmals in den Zunftstuben der Reformationszeit, also noch nicht im Zusammenhang mit der Familie. Neben der bürgerlichen Handwerkerwelt trat später ein weiterer sozialer Kreis als Träger weihnachtlicher Baumbräuche ins Blickfeld: die europäischen Fürstenhöfe.
Der früheste Beleg für Österreich stammt aus dem Jahr 1813 aus Graz, wo er durch evangelische Beamte und Flüchtlinge während der napoleonischen Kriege eingeführt worden sein soll. In Wien stand er 1814 erstmals bei einem Berliner Bankier und 1816 erstrahlte ein Christbaum im Ansitz Erzherzog Karls, dessen Gattin, eine gebürtige nassauische Prinzessin, ihn dem österreichischen Hof und den Adelskreisen bekannt machte. Erst Jahrzehnte später fand er in Bürgerhäusern Eingang.
Der erste Linzer Christbaum im heutigen Sinn stand im Hause des ständischen Syndikusses Anton Freiherr von Spaun. Die dort übliche Christbaumfeier zeigt noch ganz die Züge der protestantischen Feier zu Straßburg 1605.
„Auf einem niederen Gerüste, das einem Blumenbeete glich, stand der Baum, der bis an die Decke des Zimmers reichte. Acht Tische in einem Halbkreis reichten kaum hin, die Menge von Gegenständen aufzunehmen, welche den Kindern von mehreren Seiten zum Geschenke bestimmt waren. An den dichten, von zahlreichen Kerzen erhellten Zweigen hingen Blumengewinde, Bänder, Vögel von Seide und farbigem Papier, glänzende Harnische, Wappenschilder, Helme mit Federbüschen, Banner, Armbrüste, Puppen, seidene Tücher, eine Pelzmütze von blauem Samt mit goldener Quaste u. dgl. Spät erst kamen die Kinder zu den Tischen, wo nun des Schauens kein Ende war.“
(Hmtl. 1936, Heft 12, S. 17) Commenda, S 192. 1958