Jakob, Hl. - 25. Juli

- ein alter Salzburger Almfeiertag

St. Jakob der Ältere von Compostela - 25. Juli„Jakobi“, „Jokas- oder Joggastag“, ein alter Salzburger Almfeiertag und „Beginn des Almsommers“„Der Almsommer dauert von Jokas bis Bartlmä“ sagt der Volksmund und hat damit nicht so Unrecht, denn zwischen dem 25. Juli und dem 24. August ist tatsächlich in unseren Breiten daswärmste Sommerwetter zu erwarten. Wenn es nicht gerade regnet, gewittert oder der erste Schnee hereinschneit. „Jakobi“ galt als Lostag, als Glückstag für die Ernte, und in den Alpen als Tag des Dienstbotenwechsels und Festtag der Sennerinnen und Hirten. An diesem Tag besuchten die Wanderer, aber vor allem die Bauernfamilien, die eine Alm hatten, Ihre SennerInnen, brachten ihr Geschenke, Anheizspäne, besseres Essen und Kaffee oder Schnaps mit und erhielten dafür ein kräftiges Rahmmuas, süßen Schotten oder eine andere festliche Almspeise. Unter den Besuchern waren auch Musikanten und damit war eine Tanzerei gewiss.Hinter dem Jockl, Jackl, Jaggl oder Jokas verbirgt sich ein Heiliger, der über 1000 Jahre zu den meist verehrten in Europa gehörte und in den letzten Jahrzehnten wieder von vielen Fernwallfahrern aufgesucht wird: Der Heilige Jakobus von Compostela. Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und Bruder des Evangelisten Johannes. Johannes, Petrus und er wurden wegen ihres missionarischen Eifers von Jesus als„Donnersöhne“ bezeichnet. Jakobus erlitt um Ostern 44 als erster der Apostel in Jerusalem durch Herodes Agrippa den Märtyrertod. Sein Fest wird am 25. Juli gefeiert (früher 27. Dezember). Im 7. Jahrhundert entstand die Behauptung, Jakobus sei in Spanien begraben und trug zur Entstehung von Kirchen bei. Tatsächlich wurde im 9. Jh. der Leichnam des Heiligen nach St. Jakob in Compostela übertragen. Dadurch wurde die Wallfahrt zum Grab des Jakobus vom 9. bis zum 15. Jahrhundert „weltberühmt“. Eine Vielzahl von Jakobskirchen am Wege und an den Heeresstraßen der Kreuzfahrer entstand. Daneben wurden Orden, Klöster, Hospize, Legenden und Lieder begründet. Drei bedeutende Ritterorden entstanden im 12. und 13. Jh. zu Ehren des Heiligen Jakobus, sie alle widmeten sich der Pilger- und Hospitalsfürsorge. Jakobus war zeitweilig der volkstümlichste Apostel. Er wurde Schutzheiliger der Kreuzritter und Verteidiger des Glaubens (neben St. Michael und St. Georg), Patron Spaniens und Portugals, der Winzer und besonders der Pilger. So wird er seit dem 12. Jh. nicht mehr als Apostel mit Buch oder Rolle (und Schwert) dargestellt, sondern als Pilger mit Muschel Pilgerstab. Das Jakobsgrab in Compostela zählte im Mittelalter neben der Nikolauskirche in Bari (1087) und dem Grab der Heiligen Drei Könige in Köln (1164) zu den europaweit besuchten Fernwallfahrten. Erst mit dem Tridentinischen Konzil im 16. Jh. gingen die Fernwallfahrten zurück. Jede Kirche, die Reliquien berühmter Heiliger besaß, trug diese in festlichen Umzügen mit. Zur Begleitung der Reliquien entstanden oft Bruderschaften. Vermutlich gehen auch die „Jakobischützen“ in St. Jakob am Thurn auf eine solche Bruderschaft und ihre Umzugsbräuche zurück. Allerdings ist das heutige „Jakobischützentanz“ eine Form der Heimatpflege im 20. Jahrhunderts. Der Ministeriale Jakob von Thurn stiftete 1324 bei seinem Wohnturm eine neue Kapelle fürseinen Namenspatron, die der Hl. Dreifaltigkeit, Unserer Lieben Frau und dem Jakobus d. Ä. geweiht wurde. Ob der vornehme Ritter ein Compostela-Pilger oder sogar Mitglied der Jakobsbruderschaft von Compostela war, wissen wir nicht. Durch die Verleihung von Ablässen an die Kapelle setzte wenig später eine starke Wallfahrtsbewegung ein. In diesem Zusammenhang kam es auch in St. Jakob am Thurn zur Gründung einer Jakobsbruderschaft, welcher die Fürsorge für die Wallfahrer übertragen wurde. Erst viel später entstand offenbar die Legende, dass der Heilige als Pilger verkleidet vor heran nahende Feinden gewarnt habe, die heute Inhalt des Schützentanzes ist.

Salzburger Landesinstitut für Volkskunde Prof. Ulrike Kammerhofer-Aggermann

<zurück>